Madeleine will nicht

Schauspiel von Hans Zimmer Regie:Kay Szacknys mit Sibylle Brunner und Willi Schlüter

Theater in der List
Madeleine will nicht
Quelle: (c) Joachim Giesel

THEATER in der LIST

Infos zum Event:

Täglich lesen wir in der Presse von Wohnungsnot, steigenden und überteuerten Mieten, Luxussanierung, Umwandlung in Eigentumswohnungen, Entmietung, Mieterverdrängung unter Einsatz teils unglaublicher Schikanen, Zwangsmaßnahmen und Zwangsräumungen. Die Macht von Konzernen setzt sich auch juristisch durch. Mieterinitiativen haben da kaum eine Chance, ihr Recht auf Wohnen und Wohnenbleiben im angestammten Haus, im angestammten Kiez, durchzusetzen. Diese Situation bildet den Hintergrund zum neuen Theaterprojekt des Theaters in der List. Arbeitstitel: Madeleine will nicht. Das Theater öffnet eine Tür, hinter der ein Mensch wohnt und wohnen bleiben möchte und an dessen Schicksal es das Publikum teilhaben lassen will. Dieser Mensch heißt Madeleine. Einst war sie mal ein gefeierter Opernstar und jetzt ist sie 80 Jahre alt und wohnt seit über30 Jahren allein in diesem Altbau, Jugendstil von 1912. Die Miete ist in diesen Jahren nicht oft erhöht worden und das Haus verdiente gewiss den ein oder anderen Pinselstrich. Aber wenn schon, Madeleine möchte hier bis zu ihrem Tod wohnen und nirgendwo sonst. Eine andere kleinere Wohnung wäre teurer, und das kann sie sich von ihrer kleinen bescheidenen Rente nicht leisten. Aber das Modernisierungs- Konsortium hat andere Interessen. Die haben mit dem Haus größeres, besseres vor. Schicke Eigentumswohnungen sollen hier entstehen, und das Schicksal von Madeleine ist ihnen egal. Die neue Zeit hat andere Götter. Eines Tages erhält Madeleine, die letzte Bewohnerin in diesem alten Haus, ungebetenen Besuch. Ein geheimnisvoller Mann steht plötzlich in ihrer Wohnung. Etwa der Manager der Immobilien-Firma mit dem vielleicht ultimativ letzten Angebot - eine lukrative Auszugsprämie, die Madeleine nicht ablehnen kann? Nein, kein Manager,Lorenz, so heißt der Fremde, hat ganz anderes im Sinn. Er hat keinen festen Wohnsitz und sucht leerstehende Wohnungen, um für eine gewisse Zeit darin zu leben. Eine komische Begegnung mit Folgen, der Beginn einer absurden Geschichte. Dies ist die eine Ebene der Geschichte, absurd genug. Das Stück zeigt jedoch auch noch eine andere Ebene: So, als könnten die beiden Akteure im Inneren von Madeleines Wohnung immer wieder einmal das zugemauerte Fenster auf die Welt öffnen, sehen sie und zeigen sie in unterschiedlichen szenischen Fragmenten die Absurditäten dieser Welt: Ganz anderes, aber im Kern ähnlich wie ihr eigenes Leben: Ebenso traurig wie komisch gefährdet und eben absurd. Die beiden Alten, die primären Figuren in unserem Stück, placieren und projezieren sekundäre Figuren, Gestalten ihrer Wünsche, ihrer Angst auf die Bühne; fühlen mit ihnen, reden mit ihnen wie mit Menschen, welche dieselbe Wirklichkeit haben wie sie selbst. Absurde Stücke bieten Gedankenspiele, die grotesk, tragisch, melancholisch und zuweilen auch bewusst komisch die absurde Wirklichkeit widerspiegeln.
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